logotype

hello and welcome to my new website !!! ...

 

Kennst du die? Entdecker, Erfinder, Herrscher und Künstler und

wer noch die Welt verändert hat, Band 1

Leseprobe

< zurück zur Übersicht 

 

Jeanne d’Arc

 (um 1412–1431)

Sie ist eine der rätselhaftesten Frauen der Weltgeschichte. Wenn es nicht Beweise dafür gäbe, dass sie wirklich gelebt hat, könnte man sie für eine Sagengestalt halten. Weil sie ein einfaches Bauernmädchen war, ist über ihre Kindheit nichts bekannt, auch nicht ihr Geburtsdatum. Bei Bauernkindern war das damals nicht so wichtig.

Als Jeanne in dem lothringischen Dorf Domrémy heranwuchs, befanden sich Frankreich und England im Hundertjährigen Krieg. Begonnen hatte er 1337 und nun besetzten englische Truppen den Norden Frankreichs. Sie waren weiter auf dem Vormarsch und der englische König wollte auch König von Frankreich werden.

Da hatte Jeanne im Alter von 13 Jahren eine Vision: Sie hörte Stimmen, die sie aufforderten, die Engländer aus Frankreich zu vertreiben und den rechtmäßigen Thronfolger Charles zur Krönung zu führen. Diese Vision wiederholte sich mehrmals. Eine der Stimmen gab sich als Erzengel Michael zu erkennen, wie Jeanne später vor Gericht aussagte. Als gläubiges Mädchen fühlte sie sich verpflichtet, dem Erzengel zu gehorchen. Aber wie konnte sie das?

Sie tat alles, um zu Charles vorgelassen zu werden, wurde aber immer wieder abgewiesen. Niemand nahm sie ernst. Was sollte ein ungebildetes Bauernmädchen dem Thronfolger auch zu sagen haben? Doch Jeanne gab nicht auf. Am 25. Februar 1429 war sie am Ziel und wurde gleich auf die Probe gestellt: Neben Charles stand ein fein gekleideter Mann und sagte, er sei der Thronfolger. Obwohl Jeanne beide noch nie zuvor gesehen hatte, schüttelte sie den Kopf, ging auf Charles zu und sagte: »Sie sind es!«

Charles war sehr erstaunt und Jeanne erzählte ihm von ihren Visionen und ihrem Auftrag. Er ließ sie von Theologen auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen und war schließlich  überzeugt, dass der Himmel ihm diese ungewöhnliche junge Frau geschickt hatte. Da in der fast aussichtlosen Lage ohnehin nur noch ein Wunder das Land retten konnte, durfte Jeanne bleiben. Es wurde eine Rüstung für sie angefertigt und am 29. April 1429 führte sie als erste Frau eine Truppe in die Schlacht.

Die Engländer standen schon tief in Frankreich und kurz vor der Erstürmung der königlichen Residenz in Orléans. Doch Jeanne gelang es, ihren Männern Mut zu machen. Als sie selbst von einem Pfeil getroffen wurde, kämpfte sie tapfer weiter. Das beeindruckte die Soldaten so, dass sie für ihre Anführerin durchs Feuer gingen. »Bevor sie kam, flohen 500 Franzosen vor 200 Engländern; nach ihrer Ankunft vermochten 200 Franzosen 500 Engländer zu schlagen und zu verjagen«, schrieb ein Chronist dazu.

Jeanne schaffte das eigentlich Unmögliche: Am 8. Mai zogen sich die Engländer zurück und Orléans war wieder frei. Dem Erfolg in Orléans folgten weitere. Die Soldaten verehrten ihre Anführerin wie eine Heilige.

Am 17. April 1429 wurde der Thronfolger als Charles VII. in Reims zum König gekrönt. Natürlich war Jeanne dabei; sie stand mit der Siegesfahne neben dem Altar. Nun hatte sie einen Teil ihres Auftrags erfüllt. Doch noch waren viele Gebiete Frankreichs besetzt. Deswegen wollte Jeanne nach Paris ziehen, um die Engländer zu vertreiben. Nach monatelangem Zögern erhielt sie vom König schließlich die Erlaubnis. Die Gegner hatten die Zeit genutzt, um ihre Kräfte zu bündeln, und so scheiterte am 8. September 1429 der Versuch, Paris zu befreien. Der König wandte sich von Jeanne ab und versuchte, durch Verhandlungen einen Waffenstillstand zu erreichen.

Als Jeanne verraten und für 10.000 Franken an die Engländer ausgeliefert wurde, tat der König nichts für die Frau, der er die Krone verdankte. Man warf ihr Verbreitung von Irrlehren, Gotteslästerung und Hexerei vor und stellte sie vor ein katholisches Gericht. Nach einem langen Prozess wurde sie am 30. Mai 1431 als »Hexe« auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

25 Jahre später wurde das Urteil gegen Jeanne d’Arc oder die Jungfrau von Orléans, wie sie auch genannt wird, als falsch aufgehoben; 1909 wurde sie vom Papst selig-, 1920 heiliggesprochen. Für die Franzosen ist sie zur Nationalheldin geworden. Das alljährliche Fest zu ihrem Gedenken findet am 30. Mai statt.

 

 

2018  Manfred Mai