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Weltgeschichte

Leseprobe

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14. Millenniumwechsel

Zum Jahreswechsel 1999/2000 wurden in aller Welt Millenniumfeste gefeiert, als breche nun ein neues Zeitalter an. Aber weltgeschichtliche Ereignisse und neue Zeitalter richten sich nicht nach runden Zahlen. Für uns Menschen sind sie allerdings willkommener Anlass, wenigstens kurz innezuhalten, Bilanz zu ziehen, neue Vorsätze zu fassen - um dann meistens so weiterzumachen wie bisher. Dass die Menschen an Silvester 999 ähnlich viel Theater gemacht haben, ist kaum anzunehmen. Die meisten wussten wahrscheinlich nichts von einem Millenniumwechsel. Wir aber wollen die magische Zahl 1000 nutzen, um in einem großen Überblick festzuhalten, wie die Welt zu jener Zeit ausgesehen hat.
Ungefähr 260 Millionen Menschen bevölkerten damals die Erde, rund 65 Millionen davon lebten in China. Dieses große Land im Fernen Osten war auf technischem und kulturellem Gebiet weit fortgeschritten. In China wurden Seide und Porzellan hergestellt, dort kannte man auch schon den Buchdruck und konstruierte die erste Rechenmaschine; man nutzte die Wasserkraft, um Maschinen anzutreiben und erfand das Schießpulver. Über die so genannte Seidenstraße, die quer durch Asien bis nach Palästina führte, wurden Waren in viele Länder geliefert. Dabei kam es neben dem Handel auch zum Austausch von Gedanken. Chinas kleiner östlicher Nachbar Japan etwa orientierte sich in Regierung, Verwaltung, Kunst und Kultur ganz am "großen Bruder".

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Mit 80 Millionen Bewohnern war Indien das bevölkerungsreichste Lande der Erde. Wie in China war die Ernährung so vieler Menschen schwierig. Erst mit der Umstellung auf zwei Ernten im Jahr war genügend Reis für alle vorhanden. Sonst lebten die Menschen in Indien um 1000 nicht viel anders als zu Buddhas Zeiten - bis die Araber kamen, den Einflussbereich des Islam auf Nordindien ausdehnten und den Buddhismus fast völlig verdrängten. Danach kämpften Muslime und Hindus um die Vorherrschaft, was Jahrhunderte später zur Teilung des Landes und zur Entstehung von Pakistan als selbstständigem Staat führte.
Das riesige islamische Reich aber war bald so groß, dass es die Kalifen nicht mehr zusammenhalten konnten. Es brach allmählich auseinander, ohne dass der islamische Glaube darunter gelitten hätte. Allerdings wurden die Araber von den Türken als Führungsmacht in der islamischen Welt verdrängt. Unter türkischem Druck wurde auch das Byzantinische Reich immer schwächer und schrumpfte auf das Gebiet um Konstantinopel zusammen.
Westeuropa war zu jener Zeit die unbedeutendste der zivilisierten Weltregionen. Das Römische Reich war untergegangen, nichts Vergleichbares an seine Stelle getreten. Das westliche Europa war erst auf dem Weg, aus dem Schatten der alten Kulturen und Mächte des Ostens zu treten.

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Und Amerika? Dort gab es in der Mitte des Kontinents die über 3000 Jahre alten Kulturen der Mayas, Inkas und Azteken, die beeindruckende Bauwerke schufen, gute Astronomen und Mathematiker waren und einen sehr genauen Kalender besaßen. Doch die Dynamik, das Fortschrittstempo, das wir bei den asiatischen und europäischen Völkern sahen, finden wir bei ihnen nicht. Vielleicht fehlte dazu der Austausch mit anders lebenden, anders denkenden Nachbarn. Erst die europäischen Entdecker sollten daran etwas ändern - auf die denkbar grausamste Weise.
In Nord- und Südamerika lebten die Menschen um die Jahrtausendwende kaum anders als ihre spätsteinzeitlichen Vorfahren. Das gilt ähnlich auch für die Aborigines in Australien und die Bewohner des südlichen Afrika. Dagegen unterschied sich der islamisch dominierte Norden Afrikas kulturell, politisch und wirtschaftlich nur wenig von den Ländern östlich des Mittelmeers.

 

2018  Manfred Mai