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Der Traum von einer besseren Welt - Die großen Menschheitsutopien

Leseprobe

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Aus dem Vorwort

 "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen", sagte der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt Anfang der 1980er Jahre, als die "Jungen Wilden" in der SPD ihr Zukunftsmodell von einem besseren Deutschland in einer besseren Welt vorlegten. So ähnlich wie Helmut Schmidt haben die Regierenden zu allen Zeiten über Menschen gedacht, die weit über den Tag hinaus blickten und neue Vorstellungen von Staaten und Gesellschaften entwickelten. Solche Menschen wurden als Träumer, Fantasten und Spinner bezeichnet, manchmal auch als Unruhestifter, Aufwiegler und Volksverhetzer. Je nachdem wurden sie "nur" belächelt und verspottet oder angefeindet und verfolgt. Doch die meisten von ihnen ließen sich nicht beirren - zum Glück für uns Nachgeborene. Denn etwas überspitzt könnte man sagen: Hätte es diese Menschen und ihre Visionen nicht gegeben, würden wir heute noch leben wie im finstersten Mittelalter.

 Um Menschen mit Visionen geht es in diesem Buch. Bei ihren Visionen handelt es sich nicht um übersinnliche Erscheinungen, religiöse Heilserwartungen oder irgendwelche Hirngespinste, sondern um detaillierte Entwürfe für "den besten Staat". Solche Entwürfe nennt man seit fünfhundert Jahren Utopien. Diesen Begriff hat der Engländer Thomas Morus erfunden. Er leitete ihn aus den griechischen Wörtern eu topos = guter Ort und ou topos = kein Ort ab. Seinen 1516 verfassten Roman über eine bessere Gesellschaftsordnung nannte er dann auch "Ein wahrhaft goldenes Büchlein von der besten Staatsverfassung und von der neuen Insel Utopia". In dem Roman entwarf er das Modell eines guten Staates, den es so noch an keinem bekannten Ort der Welt gab.

Utopia ist Nirgendland. Doch die Utopie von Thomas Morus schwebt keineswegs im luftleeren Raum des Nirgendwo; sie ist fest verwurzelt im England des frühen 16. Jahrhunderts. Die dort herrschenden politisch-gesellschaftlichen Zustände kritisiert Morus scharf und stellt seinen Entwurf eines besseren Staates dagegen.

Auch die anderen hier  vorgestellten Utopien resultieren aus der Kritik an den jeweils herrschenden Verhältnissen. Bei allen Unterschieden haben ihre Verfasser doch eines gemeinsam: Sie gehen davon aus, dass die politisch-gesellschaftlichen Zustände nicht naturgegeben oder gottgewollt sind, sondern von Menschen gemacht wurden und deshalb auch von Menschen verändert werden können.

 

 

2018  Manfred Mai