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Wir leben alle unter demselben Himmel

Leseprobe

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Die Anfänge

 

Die Geschichte der Religionen beginnt mit der Geschichte der Menschheit. Was die Vor- und Frühmenschen vor Jahrmillionen gedacht und geglaubt haben, wissen wir natürlich nicht. Und auch auf dem langen Weg bis zum modernen Menschen, den man Homo sapiens nennt, liegt vieles im geschichtlichen Dunkel. Trotzdem können Wissenschaftler anhand von unzähligen archäologischen Funden wichtige Entwicklungen der Menschheitsgeschichte in groben Zügen nachzeichnen.

Die ersten Vertreter des Homo sapiens und damit unsere direkten Vorfahren waren die sogenannten Cro-Magnon-Menschen. Sie stammten aus Afrika und zogen von dort vor etwa 40.000 Jahren nach Asien, Europa und – auf dem damals noch vorhandenen Landweg zwischen Sibirien und Alaska – nach Nordamerika.

Schon damals haben die Menschen in der Natur eine Macht gesehen, die größer ist als sie selber. Sie erlebten Vorkommnisse und Erscheinungen, die sie nicht begreifen und Kräfte, die sie nicht beherrschen konnten: Gewitter, Blitze, Stürme, Überschwemmungen, vielleicht sogar Erdbeben und Vulkanausbrüche. Aber sie erlebten auch, wie die Natur ihnen in Form von Pflanzen und Tieren Nahrung und Kleidung schenkte. Sie mussten natürliche Kreisläufe erkennen und begreifen, dass sie diese weder verhindern noch umkehren konnten: die Jahreszeiten sowie das Werden und Vergehen alles Lebendigen.

Für all das haben unsere Vorfahren Erklärungen gesucht. Manche machten böse und gute Geister oder Götter dafür verantwortlich. Weil man von diesen übermenschlichen Wesen abhängig war, galt es, sie milde zu stimmen. Das versuchten die Menschen auf unterschiedliche Weise: indem sie für die Geister und Götter tanzten und sangen, für sie Bilder malten und vor allem durch Opfergaben. Davon zeugen unter anderem Gegenstände, die in Gräbern gefunden wurden, Schnitzereien aus Mammut-Elfenbein und Malereien in zahlreichen Höhlen Europas – etwa die Bilder von Lascaux in Frankreich und Altamira in Spanien.

Schon damals machten sich die Menschen Gedanken über ihre Rolle in der Welt. Das führte zu den Grundfragen, die sich jeder Mensch irgendwann stellt:

- Wer bin ich?

- Woher komme ich?

- Wozu bin ich da?

- Was soll ich tun und was nicht?

- Was geschieht mit mir, wenn ich sterbe? 

Weil dieses Fragen nicht schlüssig durch Beobachtung, Fakten und auch nicht durch logisches Denken zu beantworten sind, erfanden unsere Vorfahren Geschichten, die Antworten und Erklärungen liefern sollten. Diese Geschichten erzählten vom Ursprung der Erde und des Himmels, von dem oder den Wesen, die alles erschaffen haben, vom Diesseits und vom Jenseits und vom Übergang zwischen beiden Welten. Sie erzählten auch von Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die in der Lage waren, mit den übermenschlichen Wesen zu kommunizieren. Solche Menschen wurden in unterschiedlichen Gegenden Zauberer, Seher, Medizinmann, Schamane, Heiler oder Magier genannt. Sie entwickelten Rituale und Zeremonien, mit denen die bösen Mächte besänftigt und die guten um Hilfe gebeten wurden. Zu diesen magischen Handlungen gehörten Gebete, Gesänge, Tänze und Opfergaben. Von großer Bedeutung waren in diesem Zusammenhang die Verstorbenen, die Ahnen. Obwohl sie tot waren, lebten sie für die Menschen weiter. Auf ihren Rat und ihren Schutz war man angewiesen. Deshalb bestand eine Aufgabe der Heiler und Medizinmänner darin, die Verbindung zu den Ahnen herzustellen. Denn wenn die Ahnen nicht angemessen behandelt und gewürdigt wurden, konnten ihre Seelen keine Ruhe finden und zu bedrohlichen Geistern werden.

Aus solchen Geschichten, Ritualen, Zeremonien und magischen Handlungen entwickelten sich in allen Teilen der Welt die frühen Religionen, die oft als »Naturreligionen« oder »Traditionelle Religionen« bezeichnet werden. Sie gibt es bis heute bei den nord- und südamerikanischen Indianern, den Inuit, der Urbevölkerung Australiens, Neuseelands und Ozeaniens, in Teilen Afrikas und Asiens. Von ihnen unterscheiden sich die modernen Religionen mehr oder weniger deutlich. Doch bei allen Unterschieden suchen und geben auch die modernen Religionen Antworten auf die oben genannten Grundfragen. Innerhalb all dieser Religionsgemeinschaften haben die Menschen ähnliche Ansichten darüber, wie die Welt entstanden ist, welche Bedeutung der Mensch hat, nach welchen Regeln sie leben wollen, was Recht und Unrecht ist und was mit ihnen nach dem Tod passiert.

Die Religionen, die heute am weitesten verbreitet sind, nennt man Weltreligionen. Von ihnen erzählt dieses Buch.   

 

 

2018  Manfred Mai